Der Schachclub 1868 Bamberg e. V. trauert um
FIDE-Meister Alexander Kurz
1964 – 15.06.2026
Alexander Kurz, der viele Jahre auch für den Bamberger Schachclub spielte, ist am 15. Juni in Berlin völlig überraschend an einem Herzversagen gestorben. Ein herber Verlust, menschlich wie schachlich, was auch im Nachruf seines Berliner Vereins “Schachclub Kreuzberg” und der Betriebsschachgruppe Tempelhof sowie in etlichen bestürzten Kommentaren seiner Vereinskollegen in Berlin immer wieder betont wird.
Übereinstimmend sprechen diese von Alexander als einem ruhigen und bescheidenen Menschen, dem nie ein böses Wort über die Lippen kam und der selbst nach einer verlorenen Partie oft ein Lächeln im Gesicht hatte.
Hatte er als FIDE-Meister in den 90er-Jahren ein Spitzen-Elo von 2350, so spielte er auch mit über 60 Jahren immer noch stark, war zweimaliger Clubmeister im Blitzschach und aktueller Clubmeister im Schnellschach, der mit seiner Lust am Risiko keinem taktischen Gemetzel aus dem Weg ging.
Seine noch größere Leidenschaft galt freilich schon seit vielen Jahren dem Go, in dem er noch größere Erfolge erzielte und sogar unterrichtete. Darin erinnert er an den Berliner Jürgen Dueball, der als Internationaler Meister für die deutsche Mannschaft im Schach spielte, beispielsweise bei der Olympiade in Skopje 1972, aber auch Vize-Europameister im Go war.
Ich selbst kannte Alexander sehr gut. Natürlich schon in den Bamberger Jahren des im oberfränkischen Naila Geborenen, aber auch später in Berlin waren wir öfter zusammen, wobei ich meist bei ihm übernachtete. Ich erlebte mit, wie seine Lebensgefährtin zurück in ihre Bayreuther Heimat ging und er fortan seinen kleinen Sohn dort immer wieder besuchte. Es war eine Freude zu sehen, wenn er mit strahlenden Augen vom Spielen mit diesem erzählte.
Gelegentlich kam Alexander auch nach Bamberg, wo es dann schon einmal zu Vierer-Blitzturnieren mit den alten Bamberger Weggenossen Peter Meister, Bernd Hümmer und mir selbst im Café Graupner kommen konnte. Hatte er mit seinem abenteuerlichen Spiel, auch in hoher Zeitnot, uns bei Mannschaftskämpfen einst manchmal von einem Gemütszustand in den anderen getrieben, so blieb er selbst, zumindest äußerlich, die Ruhe selbst – früher wie offenbar auch später.
Sein Namensvetter Eugen Kurz, dem ich von seinem plötzlichen Tod berichtete, erinnert sich an eine heitere Bamberger Saisonabschlussfeier im Haus von Hans-Günter Kestler, bei der er einen sehr freundlichen Alexander kennenlernte und Wolfgang Unzicker mit seinem phänomenalen Gedächtnis für eine Bombenstimmung sorgte, als er urplötzlich – wobei genauso gut hätte es eine Bismarck-Rede sein können — eine Führer-Rede vortrug: „Volksgenossen und ‑genossinnen! …“, in gruselig echt wirkendem Tonfall. Dabei muss man wissen, dass Wolfgang aus einer zutiefst sozialdemokratisch geprägten Familie stammte und mit Sicherheit jeden Führerkult verabscheute.
An diesem Abend in den Hochzeiten des Schachclubs hatte Alexander übrigens auch Lothar Schmid zwei Mal geschlagen – und Lothar war wahrlich ein guter „Blitzer“!
Freilich, so ungemein liebenswürdig und anregend im persönlichen Miteinander sowie vielfältig interessiert an kulturellen und geschichtlichen Dingen Alexander war – gerne erinnere ich mich an seine „Führung“ über einen Tempelhofer Friedhof, bei dem er mir einige „Dichtergräber“ zeigte -, so scheute er doch die Auseinandersetzungen des oft harten „Alltagslebens“ und lebte insofern wohl weitgehend in seiner ureigenen Welt (nur, tun wir das, mehr oder weniger, nicht alle?!) – was natürlich auch manche Einbußen für ihn mit sich brachte.
Ganz sicher aber war Alexander ein außergewöhnlicher und eben auch außergewöhnlich liebenswürdiger Mensch, der das Leben seiner Mitmenschen, auch das meinige, bereicherte.
Ich war sehr traurig bei der Nachricht seines Todes.
Autor: Helmut Pfleger
Bild: Michael Kolb