Schach hoch 4 in Berlin

„Berlin ick steh uff dir.″ Wer eine Reise macht, kann bekanntlich etwas erleben. Das gilt auch unseren Vereinsvorsitzenden Prof. Dr. Peter Krauseneck, der vom 1.-3. März in unserer Bundeshauptstadt weilte, um an der zentralen Bundesliga-Endrunde, der Vereinskonferenz, Veranstaltungen der Lasker-Konferenz sowie diversen Turnieren  teilzunehmen. Dankenswerter Weise hat er uns einen „duften″ oder total „knörken″ Bericht von seinen Eindrücken sowie ein paar Bilder zukommen lassen. Neugierig geworden? Dann kieck beim Weiterlesen.  

 

Freitag früh um 6 Uhr in den ICE nach Berlin reichte gerade noch für den 1. Vortrag dort im Maritim Hotel zum Jugendtraining im Schach im Rahmen der Bundesvereinskonferenz. Kurz vor 10 Uhr war Tom George aus Stadtilm in seinem sehr lebendigen Vortrag schon bei der Frage, wie man das Problem der unterschiedlichen Spielstärken angehen und besonders begabte Jugendliche fördern kann. Nach kurzer Pause ging es dann weiter mit Vortrag und Workshop zu Sponsoring im Schach mit dem Profi Dirk Schroeter, der u.a. typische Fehler aufzeigte und hilfreiche Tipps mitbrachte, was aber in gleichem Maße für die teilnehmenden Vereinsfunktionäre galt, die z. T. selbst fast Profiformat entwickelt haben.

Nach der Mittagspause ging es dann zum Zuschauen bei der Weltspitze der Männer und Frauen mit den Bundesligarunden 9-11, gleichzeitig die Schlussrunden bei den Frauen (Foto: Spielsaal). Am Rande ein Gespräch mit dem DSB-Präsidenten wegen der noch fehlenden Unterstützung für die Organisation der Deutschen Frauenblitzmeisterschaft.

Im Kampf Baden-Baden gegen Tochter-/Schwester-Verein Deizisau konnte man die Niederlagen Caruanas gegen Leko und MVLs (Maxime Vachier-Lagrave) gegen Kamsky hautnah miterleben (Foto: li Kamsky, re Leko, von hinten Caruana), aber Anand gegen Bluebaum, Aronian gegen Meier und Wojtaszek gegen Keymer konnten das Ruder noch für Baden-Baden zum 4,5:3,5 herumreißen.

Bei den Frauen lautete die Spitzenpaarung Schwäbisch Hall gegen Deizisau, was mit einem überraschend klaren 5:1 an die Schwäbinnen ging. Derweil zog Spitzenreiter Bad Königshofen weiter seine Bahn und schlug Hofheim mit 4:2.

Noch ein kurzer Blick zum Simultan von GM Robert Hübner (Foto), dann nach so viel Passivität ein kleines Chessbase Blitzturnier mit 26 Teilnehmern (Mein Ergebnis hab ich schnell vergessen.) und zum Ausklang ein schönes Abendessen „Leber Berliner Art“ mit einem alten Schachfreund und Buchautor aus Würzburger Tagen.

Nicht minder intensiv ging es am Samstag weiter. Ein kurzer Anstandsblick zur Vereinskonferenz, dann auf in die Berlinische Galerie, wo die Emanuel-Lasker-Gesellschaft ein 1. Schnellturnier für Künstler, Journalisten, Verleger, Mitglieder noch im Rahmen des Jubiläums zum 150. Geburtstag Laskers veranstaltete. Setzplatz 3 wurde souverän gehalten und viele nette Erfahrungen und Bekanntschaften im schönen Ambiente des Museums für Moderne Kunst gesammelt.

Zurück von dort zur Bundesliga mit zwei pausierenden, aber umso mehr fiebernden Spielerinnen von Bayern München, bzw. dem Hamburger SK, die eine um den Abstieg, die letztere um die Meisterschaft. Aber schon die Zwischenergebnisse auf dem Handy waren ernüchternd - und so dann auch der Endstand, da sich Königshofen erneut keine Blöße gab.

Schon bald Aufbruch zum Abschlussempfang der Lasker-Gesellschaft in der Galerie „Die Möwe“ Foto, anschließend beim Abendessen Eintauchen in die Welt der Sammler und Historiker. Dabei auch ein Diskurs um die Frage, warum das 200jährige Geburtsjubiläums des ersten inoffiziellen Weltmeisters Adolph Anderssen („Die unsterbliche Partie“) so wenig gewürdigt wurde.

Zu guter Letzt noch einen Blick auf das Finale des großen Lasker- Blitzturniers im Maritim-Hotel mit 300 Teilnehmern, bei dem im Stichkampf Caruana Falko Bindrich mit 1,5 : 0,5 besiegte (Foto: Caruana, Bindrich von hinten).

Am Sonntagmorgen dann wieder brav zur Vereinskonferenz, bei der erstaunlich viele Aspekte zur neuen Datenschutzgrundverordnung geboten wurden. Ein kurzer Rückblick und Abschied hier, noch ein 7-rundiges Schnellturnier um die offene Berliner Hochschulmeisterschaft (noch 10. Preisträger bei Setzplatz 13), dann wieder ins volle Bundesligaleben! Königshofen macht bei den Frauen die Meisterschaft perfekt. Viernheim knüpft Baden-Baden einen Punkt ab. Solingen und Hockenheim bleiben dran. Augsburg überrascht mit 5:1 Punkten und sichert sich. Zugzwang München kann erneut keinen Punkt gewinnen und darf sich auf den Abstieg einstellen, wohl begleitet von Hofheim und Düsseldorf. Spannende Partien bis zum Schluss und als auch im Analyseraum schon die letzten Bretter weggeräumt werden, sitzen da immer noch Vincent Keymer und Ivan Saric, die ihr Remis-Endspiel unentwegt auf verborgene Ressourcen abklopfen. Dies gibt Gelegenheit zu einem kleinen Gespräch mit Vater Keymer zum Spannungsfeld von Abitur und Schachkarriere, nachdem zuvor noch Peter Leko seine Gewinnpartie gegen Caruana in der Video-Live-Aufnahme anschaulich demonstrierte.

Schach satt in vielen Facetten, die so nicht so schnell wieder zusammenkommen werden! Aber schon die zentrale Bundesligarunde ist die Reise wert, und ich kann nur empfehlen, die nächste in den eigenen Terminplan aufzunehmen!

 

 

 

Quelle Bilder: Dr. Michael Negele