Will i hin - jetzt mit Update

... oder will i net hin? Nach seinem großem Erfolg bei der Bayerischen Jugend-Meisterschaft Anfang April, bei der er einen sensationellen zweiten Platz belegte, dürfte es unserem Lukas Köhler womöglich jetzt bereits anders zumute sein. Morgen beginnt im hessischen Willingen die Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft und Lukas nimmt in seiner Altersklasse U16 Rang 24 von 27 Teilnehmern ein. Das größte Kaliber in seiner Gruppe hat dabei eine DWZ von über 2400 Punkten. Egal, wie dieses Abenteuer ausgehen wird, Lukas ist bereits jetzt ein großer Gewinner und hat nichts zu verlieren. Wir drücken ihm die Daumen und hoffen, dass ihm – ähnlich wie auf der Bayerischen – viele Überraschungen glücken. Vielleicht lässt er uns im Anschluss noch einen kleinen Bericht zum Turnier, seinem Abschneiden und den Rahmenbedingungen zukommen. Weitere Informationen auf der Turnierseite. Update: Gänzlich unbeeindruckt von den möglichen Diskussionen zeigte sich unser Lukas Köhler. Mit 4,0 Punkten aus 9 Runden erfüllte er sein selbst gestecktes Ziel um einen halber Zähler über, was im Endklassement einen guten 19. Platz bedeutete. Zusätzlich sprang für ihn ein DWZ-Plus von 35 Punkten heraus (aktuelle DWZ: 1956). Ganz klar, dass er da nächstes Jahr wieder hin will... Ein mit vielen Eindrücken gespickter Bericht aus Lukas Feder folgt nach dem Weiterlesen.


Turnierseite DJEM Willingen


Freitagnacht zurückgekommen von einer Woche Italien-Austausch, geschlafen, Koffer ausgepackt, Koffer neu eingepackt und Samstag früh ging es ab zu den Deutschen Jugendeinzelmeisterschaften ins hessische Willingen. Mit nur einer kurzen Rast (an der wir zufällig bayerische Freunde trafen) gelangten wir nach 3,5 Stunden Fahrt ans Ziel, an dem wir dann allerdings feststellten, dass es das falsche Hotel war. Nach kurzem Fragen kamen wir dann doch noch im Sauerlandstern an, auch wenn uns der Verkehr aufgrund eines Fahrradrennens bestmöglich davon abhalten wollte. Da wir das erste Mal in Willingen waren, stellte sich das Einchecken schwerer als gedacht vor, weil an Ausweisungen und Schildern kräftig gespart wurde. Am Stand Bayern bekamen wir unsere Essensarmbänder und Zimmerschlüssel und konnten nach meinem Teilnehmerfoto endlich unsere Zimmer begutachten. Erster Eindruck: Die eine Woche geht das schon irgendwie (das Bad war auf eine Person begrenzt, ansonsten war es ganz in Ordnung). Abends fand die Eröffnungsfeier statt, in der u.a. die besten jugendlichen Spieler 2017 geehrt wurden und der Hotelpächter einige Grußworte an uns richtete.

Sonntag früh war es dann endlich soweit und die 1. Runde wurde freigegeben. Mit Schwarz musste ich gegen FM Raphael Zimmer (DWZ 2146) ran. Wir verbrauchten beide viel Zeit, sodass wir schon im 28. Zug nur noch wenige Minuten auf der Uhr hatten. Ich hatte eine minimal bessere Stellung erreicht, stellte allerdings (vielleicht auch vor Nervosität ^^) meinen weit vorgerückten Freibauern ein und musste mich geschlagen geben.

Am Nachmittag wartete mit Lennard Hoffmann (2060) ein schlagbarer Gegner auf mich. Im Rossolimo-Sizilianer wollte er mein Zentrumsdurchbruch unbedingt verhindern, ich konnte seinen hindernden Bauern aber bereits sehr früh gewinnen. Ein bisschen ängstlich wickelte ich ins Turmendspiel ab, konnte seine zähe Verteidigung allerdings nicht brechen (Remis).

Mein 3. Gegner (2031) erwies sich als sehr gut vorbereitet und überraschte mich bereits früh in der Eröffnung. In unangenehmer Stellung und deutlich weniger Zeit spielte ich zwei kleinere Fehler in Folge und sein Vorteil vergrößerte sich, gab ihn dann allerdings aufgrund einer Unachtsamkeit wieder her, indem ich die Qualität gewann. Ich wurde immer zuversichtlicher und stand schließlich nach einem weiteren (Bauern-)Einsteller klar auf Gewinn. Aber auch diesmal spielte ich das Turmendspiel mit zwei Mehrbauern ungenau und musste mich wieder mit Remis zufrieden geben.

Meinen 4. Rundengegner Borna Mohammadi Nia (2043) ließ sich von meiner Vorbereitung wenig stören und kannte sich auch in der vorbereiteten Nebenvariante des Franzosen gut aus. In unbequemer Stellung machte ich einen strategisch großen Fehler, als ich versuchte, all meine Bauern zusammen zu halten. Überraschend schlug Borna den falschen Turm und ich konnte ins Turmendspiel abwickeln, in dem feststellte, dass ich gute Gewinnchancen hatte. Diesmal vermasselte ich es nicht und dank meines Siegs lag ich bei 50% (2/4).

Gegen Bennet Biastoch (2134) wählte ich die Caro-Kann-Verteidigung und stand nach seinen erfolglosen Bemühungen in der Vorstoßvariante sehr bequem. Obwohl noch alle Schwerfiguren auf dem Feld waren, war mein König auf e8 gut geschützt und ich konnte Druck gegen den c2-Bauern errichten. Nach langem Manövrieren wurden schließlich die Damen getauscht und die Stellung verflachte langsam, bis im 71. Zug nur noch Könige auf dem Brett standen.

Mit dem 3. der Setzliste Niklas Schmider (2240) erwischte ich in Runde 6 ein DWZ-Schwerkaliber und das zeigte sich (leider) auch in Partie. Trotz Vorbereitung stand ich mit Weiß nach 21 Zügen bereits unangenehm, hatte weniger Zeit und meine Dame stand hoffnungslos. In aller Verzweiflung opferte ich eine Figur für zwei Bauern, um die Dame zu aktivieren, aber auch dies half nichts und er brachte den Sieg sicher nach Hause (2,5/6).

In der 7. Runde entschied ich mich gegen Henning Holinka (2115) wieder für Caro-Kann und diesmal rochierte mein Gegner lang, um meinen König zu attackieren. Ich wehrte seine Angriffe erfolgreich ab und die Stellung war geschlossen, weswegen ich mich langsam seinem König nähern konnte. In beidseitiger Zeitnot erreicht ich eine leicht bessere und für ihn sehr schwierige Stellung, in der er schließlich fehl griff und ich trotz gleichen Materials dank meiner gut harmonierenden Schwerfiguren und zwei weit vorgezogenen Bauern klar auf Sieg stand, den ich mir auch nicht mehr nehmen ließ.

Die 8. Runde verlief etwas unglücklich, da sich mein Gegner (1986) auf das Evans-Gambit vorbereitet hatte und eine relativ solide Nebenvariante spielte, die mir nur teilweise geläufig war. Letztendlich hatte ich einen Bauern weniger ohne jegliche Kompensation und musste einen zweiten hergeben, um meinen König zu schützen. Da half dann auch leider das Turmendspiel nichts mehr und ich musste die Waffen strecken.

An meinem Geburtstag bekam ich zum Abschluss einen nominell „leichten“ Gegner (1850), den ich in der Pirc-Verteidigung, die dann mehr in Richtung Königsindisch wich, mehr oder weniger überspielte, allerdings kein Weg zum Gewinn fand, da er fünf Figuren um seinen König stellte und sich einbunkerte. Mit wenig Zeit wollte ich einen versöhnlichen Abschluss nicht ruinieren und wir einigten uns auf Remis, sodass ich zwar 50% mit 4/9 Punkten knapp verpasste, aber das Ziel von 3,5 Punkten um einen halben Punkt übertraf.

Abschließend kann man sagen, dass es ein super Erlebnis und tolles Turnier war, das neben Schach auch andere Freizeitbeschäftigungen (Fußball, Tischtennis, Badminton… etc.) angeboten hat. Die Siegerehrung war trotz einer Dauer von 3 Stunden sehr kurzweilig, interessant und es herrschte eine tolle Stimmung.

Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder!! (zur Not auf der offenen U25 ^^)