Zwischen Navara und Paradies - Update: Jetzt mit Bildern

GM David (re.) empfängt GM Viktor Lasznicka (li.) und dessen Partnerin; Foto: Jens HerrmannWenn Amateure auf einen Großmeister treffen, dann ist eindeutig, bei wem die Sympathien liegen: Ganz klar bei den Underdogs. Zu groß ist der Unterschied in Können und Erfahrung, dass daran ernsthaft Zweifel bestünden. Der Satz „Hast Du auch verloren?“, halb als Klage, halb als Frage formuliert, war somit häufig zu vernehmen. So als wüsste man bereits vorab, ohne das Geschehen an den anderen Brettern verfolgt zu haben, was dort wohl geschehen war. Dass dem jedoch nicht zwangsläuftig so sein muss, bewies die Simultanveranstaltung, die der Schachclub 1868 Bamberg am 17. Februar im Bamberger Klinikum abhielt.

Doch zunächst der Reihe nach: Mit dem tschechischen Spieler David Navara (32) gab ein Weltstar und Supergroßmeister des Schachs in Bamberg eine Kostprobe seines Könnens, der nicht nur sportlich durch Spitzenleistungen besticht, immerhin ist er die Nr. 20 der Weltrangliste, sondern auch menschlich durch Bescheidenheit, Fairness und Bodenständigkeit positiv auffällt. Zu sehen beispielsweise beim World Cup 2011, als er eine gewonnene Stellung remis gab, weil es vorher zu Streitigkeit zwischen ihm und seinen Gegner Alexander Moissenko zu einem Streit bezüglich einer Regelauslegung kam.

Für beinahe ein Jahrzehnt, gehörte er, vermittelt durch seinen damaligen Trainer, dem Internationalen Meister Josef Pribyl, als Jugendlicher und junger Erwachsener Mitte der 90er Jahre und Anfang der Jahrtausendwende selbst dem Schachclub 1868 Bamberg an und ging für diesen auf Punktejagd, ehe sich die Wege wieder trennten. Jedoch nicht, ohne, dass dieser dem Schachclub 1868 Bamberg verblieb, was erklärt, dass dieser sich auch für einen Simultanwettkampf an alter Wirkungsstätte zur Verfügung stellte.

Raum Symphonie im Bamberger Klinikum: Die Tische wie in ein großes Rechteck angeordnet, in der Mitte Großmeister Navara, der reihum an die Bretter tritt. Auf der Außenseite 33 mutige oder teils auch tollkühne Herausforderer, wahlweise die weißen oder schwarzen Steinen führend, umgeben von über 50 kiebitzenden Zuschauern, die entweder sitzend oder stehend das Geschehen mitverfolgen. Immer, wenn der Großmeister dem Brett naht, müssen die Kontrahenten ihren Zug ausführen, worauf dieser den seinen erwidert – so will es die Regel, die einen reibungslosen Ablauf an diesem Tag garantiert.

Dauert es am Anfang noch länger bis der Großmeister das jeweilige Brett nach einer Runde wieder erreicht, so finden immer mehr Partien ihren Abschluss, was das Aufeinandertreffen und Tempo von Großmeister und Spielern an den übrigen Brettern massiv intensiviert. Als nach vier Stunden, dann die letzte Partie mittels Blitz, bei einer Minute Spielzeit für den Großmeister und 5 Minuten für den Amateur entschieden wurde, stand die imposante Bilanz fest: 28 der 33 Begegnungen und 88% der Punkte verbucht Navara für sich. Drei Amateuren, allesamt vom Schachclub Bamberg, können sich jedoch der Hände ihrer Mitstreiter und des begeisterten Publikums nicht erwehren: Ihnen glückt nämlich das Kunststück, den Großmeister in die Knie gezwungen zu haben. Wobei insbesondere die Leistung Alexander-Benedikt Sudes (DWZ: 1462), eines Spielers der 3. Mannschaft, an diesem Tag aus der Masse herausstach, der Navara einer fehlerfreien Partie durch ein Turmopfer überwand. Zu den weiteren Gewinnern des Tages zählten Jens Herrmann, der in langwierigen strategischen Manövern und mittels eines Bauernopfers die Initiative an sich riss sowie Jugendspieler Pablo Wolf, der den Angriff des Großmeisters erfolgreich abwehrte. Eine Punkteteilung erreichten hingegen der File-Meister Harald Golda aus Schweinfurt und Josef Both vom Nachbarverein RMV Concordia Strullendorf.

Damit ist dem Schachclub 1868 Bamberg, der sich im Jahre seines 150-jährigen Bestehens mit einer Reihe kultureller und schachlicher Veranstaltungen an ein breites Publikum wendet, der Auftakt deutlich geglückt.

 

Quelle Bilder: Günter Hanft, Jens Herrmann, Thomas Renner u.a.