Der Main-Donau-Rhythmus - jetzt mit Bericht

Die Bayerischen Meisterschaften im Blitzschach sind immer etwas besonderes, trifft man hier doch – neben vielen bekannten Gesichtern – das „enfant terrible″ des bayerischen Schachs. Es ist somit nicht verwunderlich, dass am 21. Mai auch drei Bamberger diesem Lockruf flussabwärts nach Kelheim nicht widerstehen konnten. Dass diese Mission jedoch nicht einfach – und unter Umständen heikel – werden würde, war allen Beteiligten im Vornherein bewusst. Neben einer guten inneren und äußeren Verfassung, sind es vorwiegend Tagesform und ein guter Wettkampf-Rhythmus, die bei sieben Stunden Blitzmarathon den Ausschlag geben. Am Ende glückte dieses Kunststück nur einem Bamberger Mitstreiter zufriedenstellend: Jens Herrmann, der 17,5 Punkte (+16 =3 -15) aus 34 Begegnungen erzielte und einen guten 14. Rang erreichte, während Ralf Mittag auf Platz 27 (13 Punkte, +10 =6 -18) und Prof. Dr. Krauseneck auf Platz 34 (9 Punkte, +6 =6 -22) landeten. Weitere Informationen auf der Seite des ausrichtenden Schachclub Kehlheim. Ein Erlebnisbericht von Jens Herrmann nach dem Weiterlesen.


Internetseite des Schachclub Kelheim

 

Was tun, wenn es einmal nicht so läuft wie gedacht oder erhofft? Den Kopf in den Sand stecken? Resignieren? Jammern? Oder sich am eigenen Schopf wie Münchhausen auf dem Sumpf ziehen? In meiner bisherigen „Schachlaufbahn“ oder „Schachkarriere“ habe ich schon einige Turniere erlebt, gute, schlechte und mittelmäßige waren darunter, aber, dass ich so miserabel gestartet wäre, das muss länger her sein, zumindest kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Vielleicht war es in meiner Jugend das letzte Mal der Fall gewesen. Letztes Jahr glückte mir noch bei den Bayerischen Blitzeinzelmeisterschaften in Mering bei Augsburg ein Traumstart mit 5,5 aus 6 Punkten. Dieses Jahr kam es ganz ganz hart für mich: Nachdem ich der Reihe nach IM Reich und FM Lentrodt und einige leichtere Gegner per Rutsch-System passierte, stand bei mir ein magerer halber Punkt aus sechs Begegnungen zu Buche. Irgendwie fahrig ging ich ans Werk und ein bisschen schien mir die Schnelligkeit zu fehlen – der Rhythmus war einfach noch nicht da. Wenig erbauend auch, was mir unser ehemaliges Mitglied Kurt-Georg Breithut in seiner unnachahmlichen Art zu Beginn auf den Weg gab: „Wenn Du schlecht in ein Turnier wie dieses startest, wird es ganz hart für dich.“ Einen Rat hatte er für mich nicht parat. Bei den anderen Bamberger Teilnehmern, Prof. Dr. Peter Krauseneck und Ralf Mittag, lief es zu diesem Zeitpunkt auch nicht wirklich besser: Punkte und hoffnungsvolle Erfolge eindeutig Mangelware.

Schach ist Sport

Doch zunächst der Reihe nach: Schach ist Sport. Schach braucht Vorbereitung und gute Bedingungen innerer und äußerer Art. Ab einer gewissen Stufe kann man sich eben keine Experimente, kein „Geäffel“ – hier eröffnete ich tatsächlich noch mit 1.b4, dem „Affen-Bauern“ – oder kein „Semi-Profitum“ mehr leisten. Jeder Fehler und jede Ungenauigkeit wird konsequent und sehr hart bestraft. Das ist eine Erfahrung, die ich aus der letztjährigen Teilnahme bei den Bayerischen Blitzmeisterschaften mitnahm. Um möglichen Stress auch aus der Anfahrt zu vermeiden, entschieden wir uns dieses Mal dafür, früher anzureisen und vor Ort zu übernachten. Doch was sich als guter Plan anhörte, glückte nicht ganz. Erst am Samstagabend um 17 Uhr aufgrund unterschiedlicher Verpflichtungen gestartet, kamen wir gegen 24 Uhr am Zielort, der Pension Carlbauer in Kelheim, an. Was war geschehen? Wie inzwischen üblich, waren wir mit Peters Elektroauto der Marke Tesla unterwegs. Zwar kamen wir zügig voran, doch gehört das ständige Aufladen dieses schicken und schnellen Vehikels zur notwendigen Routine. So entschieden wir uns kurz vor dem Zielort, es muss gegen 21 Uhr gewesen sein, bei Regensburg-Ost Rast zu machen und das Auto zur Sicherheit an einem Restaurant mit Supercharger-Station aufzuladen – nicht, dass dem Akku doch noch die Puste ausging. Dass ich dann auf die Idee kam, die von mir eingepackte Schachuhr und das Schachspielzeug herauszunehmen, erwies sich im Nachhinein bei drei „Schachverrückten“ und „Schachfanatikern“ als Fehler. Versumpften wir doch tatsächlich bei Schnitzel-Buffet, Braten, Pizza und Bier, wobei uns Peter schachmäßig beim Blitzen deutlich die Grenzen aufzeigte. Vielleicht ein schlechtes Omen. Peter unkte schon von der verpassten Generalprobe und der anschließenden Aufführung – und er sollte damit irgendwie Recht behalten. Mir glückte in diesem Abend wenig Erbauliches. Dass Peter so lange an seinem alkoholfreien Bier herumnippen konnte, hätten ich und Ralf auch nicht für möglich gehalten, zwischenzeitlich er war auch einmal ganz bei seinem Auto verschwunden. – Ob er wiederkommen würde? Wo blieb Peter? Erst gegen 23 Uhr, es war inzwischen spät geworden, – der Akku war voll geladen und betriebsbereit – setzten wir unsere Reise mit unserem wieder aufgetauchten Fahrer Peter fort und kamen gegen 24 Uhr an der Pension Carlbauer an. Zum Glück hatte Ralf bereits vorher die Betreiber über eine spätere Ankunft informiert, sodass man uns vor Ort im Gästehaus nicht erwartete und in einem Kuvert den Schlüssel für die Zimmer hinterlegte. Worauf Peter und Ralf gemeinsam das Doppelzimmer bezogen, während ich mir den Luxus eines Einzelzimmers gönnte. Für nächsten Morgen hatten wir uns dann um 8:30 Uhr zum Frühstück verabredet.

Steigerung zur Rückrunde: Ziel erfüllt

Nach einer ausgiebigen morgendlichen Stärkung, bei der wir auch unsere Gastgeber zum ersten Mal sahen, kamen wir entspannt um 9:45 Uhr am Turnierort dem Dormero Hotel in Kelheim an. Was dann geschah, ist in Teilen bereits erzählt. Nach einem schlechten Start glückte mir tatsächlich noch eine Miniserie von vier Siegen in Folge, sodass ich nach 15 Runden immerhin 6,5 Punkte inne hatte, was den Rang 19 bedeutete. Ralf blieb mir zur Halbzeit mit Position 20 noch auf den Fersen, Peter war als Viertletzter schon vom Feld abgehängt.  Einigermaßen entspannt konnte ich mit Peter daraufhin in die Mittags-Pause gehen, bei der wir bei einem leichten Salat im Restaurant des Hotels sowie einen anschließenden kleinen Spaziergang, noch einmal auf die Partien zu sprechen kamen. Als Ziel definierte ich für mich dabei die 50%-Marke und Platz 17. „Wenn das gelingen würde“, teilte ich Peter mit, „wäre ich zufrieden“. Peter schien hingegen mit seinem Spiel nicht ganz glücklich zu sein und haderte noch mit seinen Partien.

Als dann die Rückrunde einläutete, glückte mir tatsächlich eine Serie von vier Siegen, längere Verlustserien blieben aus. Insgesamt lief dieses Jahr die Rückserie deutlich runder, holte ich doch 11 Punkte aus 20 Partien. Größere Erfolge gegen Titelträger konnte ich dieses Mal, einige Ausnahmen abgesehen, wie gegen den späteren, mir unbekannten Turniersieger IM Maximilian Berchtenbreiter von Pang Rosenheim, aber nicht verbuchen. Am Ende erreichte ich nach sieben Stunden Blitzmarathon mit 17,5 Punkte Rang 14 das definierte Ziel. Bei den anderen war die Suche nach dem eigenen Rhythmus hingegen nicht ganz so erfolgreich: Ralf erreichte 13,5 Punkte und Rang 27, und für Peter sprang mit 9 Zählern nur ein enttäuschender vorletzter Platz, Rang 34, heraus. Gegen 18 Uhr traten wir schließlich nach einem für uns alle denkwürdigen Tag die Heimreise an.

 

Quelle Bilder: Jens Herrmann