Schachmatt in "Blauer Schule"

Bereits seit 25 Jahren besteht das Bamberger Jugendopen. Grund genug, zu feiern, sich zu freuen und zurückzuschauen auf eine einmalige Konstellation, die seinesgleichen sucht: Mit dem Schachclub 1868 Bamberg, dem SC Höchstadt/ Aisch und dem TV 1890 Hallstadt richten genau drei Vereine das Turnier aus. Dass diese „Ehe zu Dritt″ durch sehr viel Harmonie und Eintracht gekennzeichnet ist, hob der seit Anbeginn beteiligte Turnierorganisator Reiner Schulz hervor. Mit drei Turniersiegern bei 151 Teilnehmern stellt Bamberg heuer die erfolgreichste Mannschaft – eine Reportage von Jens Herrmann.

 

Vieles wäre am Tag der Deutschen Einheit denkbar gewesen: Beispielsweise verreisen oder einfach die freie Zeit mit Nichtstun oder am PC verbringen, wie der 3. Bamberger Bürgermeister Wolfgang Metzner in seiner Rede gleich zu Beginn des Bamberger Jugendopens herausstellte. Stattdessen entschieden sich die 151 Buben und Mädchen jedoch dazu, in der Graf-Stauffenberg-Realschule, oder wie sie liebevoll von den Bambergern genannt wird, der „Blauen Schule“, noch einmal die Schulbank zu drücken, um Schach zu spielen. Aus ganz Bayern waren sie dazu angereist, vereinzelt auch aus Sachsen und Thüringen. Als fester Bestandteil des Kalenders ist das Turnier, das speziell für Kinder und Jugendliche gedacht ist, inzwischen nicht mehr wegzudenken und jährt sich zum 25 Mal.

Schachmatt der Langeweile

Dabei fing 1992 alles ganz klein an: Lediglich 75 Teilnehmer fanden sich in der Hallstadter Bettelseehalle ein. Dieter Beuchler und Siegfried Schlötzer vom SC 1868 Bamberg sowie Rainer Schulz vom SC Höchstadt/ Aisch suchten damals nach Spielgelegenheiten für die zahlreichen Jugendlichen ihrer Vereine und riefen kurzerhand das offene Bamberger Jugendopen ins Leben, wie Schulz, „Turnier-Urgestein“, im Gespräch rückblickend mitteilte. Ein Jahr später kam als dritter Ausrichter noch der TV 1890 Hallstadt hinzu, der sein lokales organisatorisches Knowhow einbrachte. Bald waren jedoch die Kapazitätsgrenzen der Halle erreicht und ein Umzug erforderlich. Mit 211 Teilnehmern – bis heute Rekord – platze die Bettelseehalle 2002 in Hallstadt aus allen Nähten, sodass alle verfügbaren Räumlichkeiten genutzt werden mussten, wie noch heute auf der Turnierseite (fen-net.de) nachzulesen ist. Seit 2008 hat das Turnier mit der Blauen Schulen mit seinen quirlig-bunten Ambiente seinen optimalen Standort gefunden.

Hände hoch, das erfreut den Lehrer

Nahe am Eingangsbereich im Erdgeschoss stehen sie nun die Schultische. Auf jedem ein Schachbrett mit Figuren platziert – die Tisch dazu wirken fast zu klein, aber auch das täuscht, denn man sollte nicht von Erwachsenen als Maßstab ausgehen. Reihe an Reihe. Gespielt wird in sechs Altersklassen von der U8, für die ganz Kleinen, bis zu der U18-25, jeweils mit 20 Minuten Bedenkzeit. Für Schach sicherlich ungewöhnlich, herrscht dabei keine bedächtige „Turnierruhe“ vor, sondern ein buntes Tohuwabohu. Immer wieder brandet der Lärm auf – Kinder und Jugendliche sind eben doch nicht zu bremsen. Das Spiel geht los. Bauer schlägt Bauer, Schritt für Schritt werden die Figuren auf den Brettern weniger. Und mit der Zeit gehen die an den zuständigen Schiedsrichter gerichteten Finger, insbesondere der Kleinen, in die Höhe. Letzter hört sich die Streitfälle an, ermahnt und gibt die Partie verloren, wenn die nicht erlaubten Züge zu häufig vorkommen. „Wenn ihr euch in der Schule auch so häufig meldet, freut sich der Lehrer“, fasst Manfred Köhler, der für die U10 zuständig ist, das Geschehen bei der Siegerehrung zusammen und erntet dafür viel Lachen. Insgesamt halten sich die Regelvorstöße jedoch in Grenzen, wie alle Beteiligten feststellten. Auch Eltern oder Betreuer haben unmittelbar zum Schachbrett keinen Zugang. Viel zu häufig hatten die Beteiligten mit ihnen und ihrer unerlaubten Hilfe, schon schlechte Erfahrung gemacht. Nach sechs Stunden stehen die Sieger dann fest.

Bamberg erfolgreichste Mannschaft

Mit drei Turniersiegern ist der ausrichtende SC 1868 Bamberg nicht zu stoppen und die erfolgreichste Mannschaft. So gewannen die Bamberger Nachwuchstalente Lukas Köhler und Pablo Wolf in souveräner Manier in der U14 und U16 alle ihre Spiele. In der U25 holte sich Matthias Daum seinen Titel mit sechs Siegen zurück, und hielt den favorisierten Kevin Mühlbauer aus Bindlach auf Distanz. Schwer beladen nahmen die Lokalmatadoren damit die Pokale für den Turniersieg, den Kreis sowie den Oberfränkischen Schnellschachtitel entgegen. In den anderen Klassen triumphierten hingegen die Angereisten und Vertreter anderer Vereine. In der U18 sicherte sich Elias Pfann den Titel mit 4,5 Punkten. Wohingegen in der U12 Maximilian Ponomarev von SC Tarrasch München und in der U10 Hugo Danninger Zabo-Eintracht Nürnberg, jeweils mit 6,5 Zählern, den Sieg davon trugen. Der Bamberger Vincent Wolf sicherte sich in diesem Feld mit guten 5 Punkten in der U10 den Kreismeistertitel. Bei den aufstrebenden Talenten in der U8 setzte sich ungeschlagen Narek Gewondow von der Spielgemeinschaft Fürth durch.

 

Die Bamberger Sieger des Bamberger Jugendopens

Bild: Die Bamberger Sieger: Vincent Wolf, Pablo Wolf, Lukas Köhler und Matthias Daum (v.l.n.r.); Quelle Bild: Familie Köhler

 

Einmalige „Ehe” aus drei Vereinen

Damit ist das Bamberger Jugendopen eine Erfolgsgeschichte, die seinesgleichen sucht und wozu insbesondere die vielen Freiwillige beigetragen haben. Turnier-Urgestein Schulz hob die hohe Harmonie und Eintracht zwischen den ausrichtenden Vereinen in dieser „Ehe zu Dritt″ über die Jahre hervor. „Du könntest über vieles streiten. Über manches musst Du aber drüber stehen.“, womit dieser auf die Unruhe, die mitunter von außen herangetragen wird, ansprach. Im nächsten Jahr findet das erfolgreiche Turnier seine Fortsetzung.

 

Der Schachclub 1868 Bamberg bedankt sich bei allen Helfern und bei den Vereinen SC Höchstadt/ Aisch und TV 1890 Hallstadt für die langjährige gute und harmonische Zusammenarbeit. Darüber hinaus sei noch im Besonderen gedankt: Claus Kuhlemann, Tobias und Johannes Pfadenhauer, Uwe Stark sowie Alvin Krämer.

 

Weitere Informationen:


Offizielle Turnierseite