Der Eselsmacher

Mönch Am Ende war sich die vierköpfige Kommission in ihrem Resümee einig, mit dem Breitengüßbacher und Mitglied des SC 1868 Bamberg, Erwin Ortlauf, einen würdigen Gewinner des Eselsmatt-Wettbewerbs gefunden zu haben. Nicht nur beeindruckte die Jury die Komposition aus verpassten Chancen – die eines echten Esels gereicht –, sondern auch die dazu verfasste Esels-Geschichte. Neben Ortlaufs Talent für die Spieleentwicklung, das dieser bereits beim Großen Schach (10x10 Felder mit eigenen Spielfiguren) unter Beweis stellte, zeigte er damit auch, dass er das Grusel-Genre perfekt beherrscht und ein echter „Eselsmacher” ist. – Vielleicht ist an ihm womöglich auch ein „kleiner Stephen King” verloren gegangen. Den 2. Platz und einen Sonderpreis erhielt Matthias Hentschel aus Graupa, dessen einem Esel nachempfundende Stellung nur lösbar ist, wenn man sich den einzig möglichen letzten schwarzen Zug vergegenwärtigt. Der Schachclub 1868 Bamberg bedankt sich bei allen Teilnehmern für die eingereichten Beitrage aus den Bereichen des Turnier-, Fern- und Problemschachs. Alle Einsendungen wurden annonymisiert und einzeln bewertet. Wenn Du neugierig auf unsere Prämierungen bist, dann klicke auf Weiterlesen.

 


1. Platz/ Siegerbeitrag

Beitrag Erwin Ortlauf, Breitengüßbach


 

Bruder Malachias hastete durch die tiefe Schlucht, die vor ihm bereits vielen Wanderern vor ihm zum Verhängnis wurde. Immer wieder zuckte ein Blitz auf und erhellte für einen Moment die Wegbiegung. Etwa dreißig Meter vor ihm mag dies gewesen sein.

Malachias stockte der Atem. Es sah so aus, als stünde dort eine große und finstere Gestalt. Der Mönch zögerte kurz, setzte seinen Weg aber fort. Es wird wohl ein Baumstumpf sein, dachte er. Die Furcht vor dem Gewitter hat ihn sehen lassen, was gar nicht da war und auch nicht da sein darf. Bei diesem Wetter, sagte ihm der Prior, sei es sicher, denn auch Räuber und Wegelagerer werden in solchen Nächten lieber einen Unterschlupf suchen. Malachias strauchelte, fing sich wieder, versuchte mit seinen Augen die Dunkelheit zu durchdringen. Das Tosen des reißenden Baches und das Pfeifen des Windes verbanden sich zu einer unheilvollen Melodie. Klamm im Herzen und voller Furcht stolperte er durch die Dunkelheit. Der Weg bis zur Abtei war noch weit. Vorbei an einem vorstehenden Felsen gelangte er zu einer Stelle, wo der Weg eben und etwas breiter war.

Wem gehört Malachias' Seelenheil?

Da schlug ein armdicker, greller Blitz fast neben ihm ein und erhellte für eine ganze Sekunde die Schlucht und die riesenhafte Erscheinung vor der Wegbiegung. Es war der Leibhaftige. Eine ganze Weile stand er wohl schon hier und wartete mit leicht ausgebreiteten Armen auf Malachias. Nein, er sah nicht so aus, wie er auf Bildern oder in Statuen an Kirchenportalen. Der Teufel zeigte sich in der Gestalt einer verführerischen, übermenschlich schönen Frau, aber in der Größe eines Pferde. Malachias erstarrte, konnte nicht einmal schreien, sein Herz setzte für einen Moment aus vor Todesangst. Der Leibhaftige sprach mit sanfter, Stimme: „Deiner ist die ewige Verdammnis!“ In greller Panik wirbelte Malachias herum und versuchte zu fliehen. Er kam nicht einen Meter weit. Der faule, stinkende Atem und das Gebiss eines Esels ließen ihn erneut in Schockstarre verfallen. „Du gehörst mir“, sagte Luzifer. Der Esel stupste Malachias auf den Teufel zu. Malachias wollte nicht in der Hölle schmoren. Der Gehilfe des Satans, der Esel, drängte den Mönch auf den Fürsten der Unterwelt zu. “ „Nein, nein, nein“, jaulte Malachias. „Ich habe nie Gottes Gesetze gebrochen!“, fügte er noch hinzu. Satan grinste: „Ich will dir eine Chance geben.“

Diabolisches Schach: Der Kampf beginnt

Bebend vor Angst stand der junge Mönch da und sah, wie der Teufel aus dem Nichts ein Schachspiel mit selbstleuchtenden Figuren erschuf. „Ich spiele mit den weißen Steinen, weil ich reinen Herzens bin“, höhnte der Leibhaftige. „Wenn du gegen mich gewinnst, lasse ich dich frei!“ Malachias war ein miserabler Schachspieler. Nur ein einziger Sieg war ihm in der Vergangenheit gegen Bruder Johannes geglückt, der ihn überdies noch gewinnen lies. Gegen den Prior hatte Malachias alle Partien deutlich verloren. Der Esel zeigte immer wieder Präsenz, in dem er den Mönch mit seiner Schnauze anstieß. Die Partie begann und der Teufel zeigte mit seinen ersten Zügen, wie übermächtig er spielte – noch viel stärker als der Prior. Malachias kämpfte verbissen, aber bald verlor er einen Offizier nach dem anderen, wogegen der Höllenfürst nur einige Bauern einbüßte. Bald blieben ihm nur noch sein König und ein Bauer übrig. Satanas hatte hingegen alle seine Offiziere noch auf dem Brett stehen.

Des Esels Rettung

Längst hätte die Partie beendet sein können, aber der Teufel machte sich eine Spaß, den armen schwarzen König vor sich her zu treiben. Bis eine Stellung entstand, in der Weiß zwölf Züge zur Auswahl hatte, den schwarzen König Matt zu setzen. Um den verlorenen Mönch noch tiefer zu demütigen, sprach der Leibhaftige: „Der Esel zieht für mich!“ Das störrische, aber kluge Tier rettete Malachias mit einem Zug sein Seelenheil.

 

        Weiß hat insgesamt 12 Möglichkeiten Schwarz Matt zu setzen, stattdessen wählt er den einzigen Zug, womit ser selbst Matt wird



2. Platz/ Sonderpreis

Beitrag Matthias Hentschel, Graupa


 

Wer aber glaubt, dass der letzte Zug von Schwarz Ke8 nach e7 war, dem der weiße Zug dxc8+ vorranging, der irrt, denn es sind noch alle achte weiße Bauern auf dem Schachbrett!

 

        Die Stellung stellt einen auf der Wiese liegenden Esel dar: Ba7, Bb7, Bc7 ist der Kopf mit Tc8 dem Eselsohr, Bf5, Bg5, Bg6, Bg7 ist der Schwanz des Esels, der Rest der Körper

Weiß setzt in einem Zug Matt. Finden Sie die Lösung?