Bei den Schach-Sprungadlern

Die Gemeinde Willingen ist nicht dafür bekannt, die Wiege des deutschen Schachs zu sein. Viel eher dürfte die 6000 Einwohner zählende Ortschaft im hessischen Hochsauerland aufgrund der Mühlenkopfschanze Skisprungfans ein Begriff sein. Einmal im Jahr ist diese in der Hand der Deutschen Schachjugend: Über 550 Teilnehmern aus allen Bundesländern kommen dort zusammen, um an einem zentralen Ort ihre Meister aller Klassen zu küren. Mit dabei war auch unser Lukas Köhler. Nach seinem Erfolg bei den diesjährigen Bayerischen Jugendeinzelmeisterschaften der U16 und seinem letztjährigen zweiten Platz war es ihm vom 8. bis 16. Juni zum zweiten Mal vorbehalten bei diesem ganz besonderen Turnier an den Start zu gehen. Doch leider konnte er dabei seine selbst gesteckten Ziele nicht erfüllen. Bereits nach der dritten Runde musste er sich einem Platz in der Top Ten verabschieden und das Feld von hinten aufrollen. Viel zu selten gelang es ihm, sein spielerisches Potential in Szene zu setzen. Mit 4,5 Punkten aus 9 Runden und Platz 18 – der gleichsam auch dessen Startrang bildetete –, gelang ihm zumindest in einem starken Feld noch ein versöhnlicher Abschluss (-17 DWZ, aktuelle DWZ: 2055). Mehr dazu in einem Bericht Köhlers.


Internetseite: DJEM Willingen 2019


Nach meinem erfolgreichen Titel bei den „Bayerischen“ wollte ich auch auf der Deutschen Meisterschaft angreifen und einige Punkte holen und mich im Vergleich zum Vorjahr etwas steigern, zumal ich dieses Jahr mit dem jüngeren Jahrgang (2004) zusammen in der U16 spielte.

In der ersten Runde bekam ich mit dem 4. gesetzten Andrei Trifan direkt einen sehr starken Gegner mit einer DWZ von rund 2250. Mit den weißen Steinen kam ich beinahe aus der Eröffnung heraus in eine sehr starke Stellung, die ich mit weiteren genauen Zügen in eine Gewinnstellung umwandelte. Leider unterschätzte ich meine Stellung und nahm im 23. Zug das Remisangebot an, da auch meine Bedenkzeit knapp wurde (6 Minuten für 17 Züge).

In der zweiten Runde wurde mir mit Niclas Hommel ein nominell schwächerer Gegner zugelost, der mich sehr früh überraschte, indem er eine eher ruhige Eröffnung wählte. Durch meine überambitionierten Züge stand ich schnell hinten drin und konnte diese bittere Niederlage, auch aufgrund von genauen Zügen meines Gegners, nicht abwehren.

Gegen Marius Fromm spielte ich mit Weiß ein sehr scharfes Gambit, in dem sich mein Gegner leider deutlich besser auskannte als erwartet. Ohne große Chancen musste ich in der Runde bereits im 23. Zug die Waffen strecken.

In Runde 4 spielte ich mit Schwarz gegen Florian Biermann. Mir gelang es, einen entscheidenden Bauerndurchbruch im Zentrum durchzusetzen und stand bereits nach der Eröffnung angenehm. In der Folge konnte ich auf der h-Linie einen starken Angriff entwickeln und konnte mit entgegengesetzten Rochaden eine Gewinnstellung erreichen. Leider verteidigte sich mein Gegner zäh und letztendlich musste ich nach der Zeitkontrolle mit einem Remis begnügen.

Als nächsten Gegner hatte ich Jan Joshua Buller. Mit Schwarz konnte ich ihn recht früh überraschen und mir einen guten Zeitvorteil sichern. Glücklicherweise nutzte er eine Unachtsamkeit meinerseits nicht aus (9. Zug!), was mich einen glatten Bauern gekostet hatte. Es entstand eine ausgeglichene Stellung, die ich ein wenig überschätzte. Mein weit vorgerückter Bauer war eher eine Schwäche als ein starker Vorposten und so konnte ich letztendlich mit dem Remis zufrieden sein.

Gegen Simon Burian in Runde 6 verlief die Eröffnung leider nicht nach Plan, denn nach einem ungenauen Zug wurde die Stellung unangenehm. Mein Gegner machte gut Druck und in der Folge erwies ich mich als „schachblind“, denn ich übersah an einer Stelle zwei offensichtliche Dinge und stellte so einzügig die Qualität ein. Mit Glück rettete ich mich ins Remis, da mein Gegner seine Figuren recht unkoordiniert hinstellte.

Nach Runde 6 hatte ich mit 2 Niederlagen und 4 Remis ein bis dato schwaches Ergebnis und wollte jetzt gegen den Setzlistenletzten Tilo Rietschel, der aber ein sehr starkes Turnier spielte, den vollen Punkt holen. Die Eröffnungsvorbereitung kam aufs Brett und so war ich recht optimistisch. Das änderte sich wieder, als mein Gegner mich mit einer Reihe von Computerzügen hinten rein drückte und nah an einer Gewinnstellung war. Ich verteidigte mich dann allerdings gut und mir gelang es, in der Zeitnotphase das Blatt zu wenden und die Partie für mich zu entscheiden.

Auf Runde 8 freute ich mich besonders, denn mit Tobias Röhr bekam ich einen nominell starken Gegner, der aber ein schwaches Turnier spielteund gegen den wir eine gefährliche Variante mit Weiß vorbereitet hatten. Leider erkrankte mein Gegner und musste das Turnier vorzeitig beenden, sodass ich kampflos gewann.

In der letzten Runde wollte ich noch einmal gegen Tobias Kölle (DWZ > 2200) punkten. Ich bekam meine Vorbereitung aufs Brett und ich erreichte eine angenehme Stellung mit leichtem Vorteil, in der ich mich nicht sicher genug fühlte (auch zeitlich bedingt) und deswegen frühzeitig Remis vereinbarte.

Mit 4,5/9 ist das Turnier nach einem miserablen Start doch noch einigermaßen vernünftig ausgegangen. Auch wenn ich in dem Turnier nicht mein bestes Schach zeigte, war es wieder eine tolle Erfahrung, sich mit den besten Spielern meiner Altersklasse messen zu dürfen und freue mich auf die kommenden Meisterschaften.

(Quelle Bericht: Lukas Köhler)