Lach- und Schachgeschichten

Warum steht die schwarze Dame anfangs auf dem schwarzen Feld? Ganz klar: Weil dieses gut zu ihrem schwarzen Kleid passt. Und was meint der schwarze König dazu? Der will einfach keinen Ärger Zuhause mit seiner Frau und lässt diese gewähren. Gute Schachlehrer müssen nicht unbedingt herausragende Schachspieler sein. Was es stattdessen braucht, ist die Fähigkeit, sich in das kindliche Gemüt, die kindliche Auffassungsgabe und in die Phantasie Heranwachsender hineinzuversetzen; und nicht zuletzt die Kunst des Geschichtenerzählens oder „Storytellings“, damit das Gelernte hängen bleibt. Dies veranschaulichte auch ein am 11. und 12. Mai in Bamberg stattgefundener Kurs zum Schulschachpatent des Dozenten Joahannes Rieder, an dem 22 Teilnehmer aus Franken und der Oberpfalz teilnahmen. Einige Erkenntnisse dieses Wochenendes werden im folgenden Bericht kurz dargestellt.


Bildergalerie: Schulschach-Patent


Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Dies gilt auch für das Erlernen des Schachspiels, wie für alles andere. Dass Kinder dabei keine großen oder zu groß geratenen Erwachsenen sind, ist seit der Epoche der Aufklärung hinlänglich bekannt. Dennoch hapert es allenthalben an der Umsetzung: Wird fleißig instruiert, „geschulmeistert“ und „abgekanzelt“. Mit nur mäßigem Erfolg.

Die Bauern auf den Kopf gestellt

So wundert es nicht, dass zu Anfang des Schulschachpatents auch der freundliche Hinweis erfolgte, sich doch in Kinder und deren Denken hineinzuversetzen. Um dies zu unterstreichen und nicht nur bei bloßen Worten bewenden zu lassen, wurden am Demonstrationsbrett die schwarzen Bauern auch unmittelbar auf den Kopf gestellt, wodurch deren Laufrichtung unterstrichen wurde. Aber auch sonst, war vieles auffallend anders: wurde viel in Bildern gesprochen, viel erklärt und viel gespielt, was die Veranstaltung nicht nur auflockerte und manches mal zum Lachen oder Schmunzeln anregte, sondern auch bei den Erwachsenen die Spiellust und den Spieltrieb beförderte.

Mit Systematik und Spiel vermitteln

Doch der Reihe nach. Mit welcher Figur soll man beim Erklären des Schachs anfangen, lautete eine Frage zu Beginn. Johannes Rieder, wie Schulschach-Startrainer IM Roman Vidonyak, plädiert dafür, mit den Bauern zu starten, weil für deren Beherrschung mit am meisten Kenntnisse notwendig sind. Danach können nach abnehmenden Schweregrad die weiteren Figuren, wie der Springer, König, Turm, Läufer und Dame erläutert werden. Andernfalls käme es beim Spielen mit den gesamten Figuren zu der häufig zu sehenden „Igeltaktik“, bei der die sich die Bauern ineinander verhaken und ein vernünftiges Spiel kaum mehr möglich ist. Auch für in diesem Zusammenhang häufig aus der Praxis stammenden Fallstricke oder Probleme der Vermittlung, hatte Rieder eine passende Antwort parat: Dass Könige höfliche Menschen sind, sich nicht zu nahe kommen, und Distanz zueinander wahren (bei Fritz & Fertig werden diese als Sumo-Ringer dargestellt und erklärt), der Bauer in der Anfangsstellung noch ausgeruht ist und somit zwei Schritte gehen kann oder dass beim en passant-Schlagen – für Kinder sehr schwer zu verstehen, sollte später erfolgen –, ein Bauer den anderen Bauern nicht gegrüßt habe, weshalb man ihm nunmehr das Bein stelle dürfe, waren einige instruktive Beispiele kindgerechten Erklärens. Als mögliche Spiele, um die Funktionsweise der Figuren einzuprägen, eigneten sich die von den Teilnehmern praktizierten „Bauern-Kloppe“, Routenplaner-Aufgaben, Gummibären-Schach oder das Pferdeäpfel-Spiel. Letzteres dank der farbig-leuchtenden Muggelsteine eine Augenweide, die überdies die Sinne und zu weiteren Spielideen anregt. Wie man mit Figuren Matt setzt (z.B. zwei mit Türmen oder einem Turm), sollte danach in einem nächsten Schritt erfolgen. Ganz im Sinne des „Forschenden Lernens“ spricht sich Rieder hierbei dafür aus, dass Kinder wesentliche Dinge zunächst selbst herausfinden sollten, wodurch das Gelernte besser verinnerlicht würde, und nur minimale Anleitung und Korrektur seitens des Lehrers zu erfolgen habe. Für das Erlernen der Grundstellung und des Spielens eigneten sich hingegen das häufig von Rieder bemühte Mittelalter-Epos und die Kenntnis einfacher Spielprinzipien (z.B. GM Stefan Kindermann: „Alle Figuren müssen an der Schachparty teilnehmen!“). So lässt sich die Grundstellung als mittelalterliche Burg vorstellen, bestehend aus Burgmauer an den Ecken, Pferdestahl daneben – der Pferdestahl muss aufgrund des Unrates ganz klar am Rand stehen –, beratendem Läufer (in Arabien ist der Läufer der Wesir) und Dame und König in allem überstrahlendem Zentrum und schützenden Bauern davor.

Nicht nur Sach-Logik, sondern auch „Psycho-Logik“

Wichtig ist jedoch, was insbesondere bei der Betrachtung des kindlichen Spiels, schachlicher Entwicklungsstufen und allgemein-psychologischer Erwägungen zutage trat, dass die Motivation beim Lernenden vorhanden bleibt – hier greift das „No-Loser-Prinzip“, immer zu verlieren, macht keinen Spaß – , Kinder im Kurs mit Aufgaben eingebunden werden (z.B. als Schiedsrichter bei Spielen/ Turnieren) und dass Lerninhalte zur richtigen Zeit und im richtigen individuellen Maß vermittelt werden. Es somit nichts nützt, Dinge zu vermitteln, wofür das Gegenüber (noch) nicht aufnahmefähig ist. Einer Sach-Logik des Gegenstand muss somit immer einer „Psycho-Logik“ des Lernenden entsprechen. Mögliche Hinweise hierfür die Entwicklungsphasen nach Zak oder Wijgerden. Letzterer teilt diese in drei Phasen ein: Materielle, räumliche und zeitliche Phase.

Es gilt Grenzen zu überwinden

Abschließend referierte Johannes Pfadenhauer, zuständig bei der Bayerischen Schachjugend für Lehrgänge, noch über das Thema Schul- und Vereinsschach und deren Verhältnis zueinander. Sein bestimmendes Thema war es Möglichkeiten und Beispiele darzustellen, wie Grenzen aufgebrochen werden können, sodass Schulschach zu einem Gewinn/ Win-Win-Situation für beide wird.

Resümee – warum man teilnehmen muss

Insgesamt waren die zwei Tage des Schulschachpatent in Bamberg insbesondere dank des Dozenten Johannes Rieder sehr aufschluss- und lehrreich. Neben dem Spaß, den das gemeinsame Spielen bereitete, haben die Teilnehmer viele nützliche Erkenntnisse und praktische Hinweise – und nicht zuletzt eine umfangreiche Liste an bereitgestellten Hilfsmitteln – für sich und wie sie den Unterricht ansprechender und besser gestalten können, mitgenommen. Jedem, der sich in der Jugend- und Vereinsarbeit oder als Schulschachlehrer engagiert, ist dieser Kurs nur zu empfehlen. Nun gilt es, das Gelernte umgehend in der Praxis umzusetzen und zu erproben!