Die große Reifeprüfung

BJEM Bad Kissingen 2019(61)Manche haben sie schon bestanden. Anderen steht diese noch bevor: die große Reifeprüfung. Fünf Teilnehmer entsandte der Schachclub 1868 Bamberg zu den vom 22. bis 26. April stattfindenden Bayerischen Meisterschaften der Jungen und Mädchen in Bad Kissingen und Burg Wernfels. Doch nur einer von diesen erreichte die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften: Lukas Köhler. Nach seinem phantastischen und überraschenden zweiten Platz bei den letztjährigen Meisterschaften gelang es ihm diesen Mal sogar noch eins obendrauf zu setzen und sich den Titel des Bayerischen Meisters in der U16 zu sichern. Einmal mehr zeigte er dabei Tugenden, die für einen Champion gereichen: Unbedingten Siegeswillen – auch in schwierigen Positionen –, gnadenlose Effizienz in der Umsetzung der errungenen Vorteile sowie eine große Portion Cleverness, was auch seine Gegner zu spüren bekamen. Vorentscheidend für die diesjährige Qualifikation war dabei insbesondere sein Triumph gegen „Dauerrivale″ Benedikt Huber, den er dank feiner Leistung im Endspiel noch sehenswert düpieren konnte. Zu Turnierende reichte Köhler somit ein frühzeitiges Remis, da auch sein schärfster Konkurrent, der erst 14-jährige Petro Lohvinov in seiner Partie nicht über ein Unentschieden hinaus kam, was mit 5 Punkten aus sieben Runden infolge besserer Feinwertung zum ersten Platz genügte. Überdies konnte sich Köhler auch über ein DWZ-Plus von 13 Punkten (aktuelle DWZ: 2071) freuen. Knapp an der Qualifikation für die Deutsche vorbeigeschrammt, ist Cora Hergenröder, die nach starkem Turnier auch die Setzlistenerste besiegte. Sie muss jetzt als Viertplatzierte in der U10 auf einen Freiplatz für die Deutschen Meisterschaften hoffen. Ebenfalls gute Chancen, den Sprung auf die Deutsche zu schaffen, hatte Vincent Wolf, der in seinem „Alles-oder-Nichts-Spiel″ in der letzten Runde gegen den wertungsstärksten Spieler die Möglichkeit zum Gewinn hatte, diese aber nicht verwerten konnte. Eine Niederlage zum Abschluss bedeutete für ihn mit 4,5 Zählern Rang 6 in den U12. Sein Bruder Pablo belegte nach wechselhaftem Verlauf mit 3,5 Punkten den Rang 9 in der U18 Rang. Lehrgeld musste hingegen der im freien Feld der U25 gestartete 14-jährige Tizian Steiner zahlen, der in einer starken Gruppe Platz 25 erzielte. Es folgt ein Erlebnisbericht von Lukas Köhler. Weitere Informationen auf der Turnierseite.


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Als Setzlisten-Dritter ging ich an den Start und wollte wie letztes Jahr die Qualifikation zur „Deutschen“ schaffen (Platz 1 oder 2).

In der 1. Runde hieß es einen der nominell schwächeren, Dominik Lohmann (VfL Leipheim) mit den schwarzen Figuren zu schlagen. Nach der Eröffnung erreichten wir ein angenehmes Endspiel für Schwarz, in dem ich gegen den weißen Isolani drücken konnte. Nach weiteren Figurenabtauschen hatte ich schließlich auch noch die bessere Leichtfigur (Springer gegen Läufer). Leider verpasste ich den richtigen Bauernzug und Gewinn und musste nach zäher Verteidigung ins Remis einwilligen.

Da alle anderen „Favoriten“ gewonnen hatten, musste ich nun das Feld von hinten aufrollen. Mit Weiß konnte ich meinen Gegner Jakob Gubariev (Schachfreunde Aufgsburg) früh überraschen und wir landeten wieder in einem Endspiel, indem ich wieder gegen den Isolani und mit der besseren Leichtfigur spielte. Diesmal gelang mir der entscheidende Durchbruch und ich konnte zur Zeitkontrolle einen wichtigen Sieg einfahren.

Mit Schwarz spielte ich in der 3. Runde gegen einen der Mitfavoriten, Maximilian Lohr (FC Ergolding). Schnell konnte ich aus der Eröffnung heraus ausgleichen und in der Folge gelang es mir, immer mehr Druck auf den schwarzen Feldern aufzubauen. In einem Doppelturmendspiel hielt er lange dagegen, letztendlich reichten die 2 Mehrbauern aber zum Sieg.

Weiter ging es gegen den jungen Setzlistenersten (Jahrgang 2005) Petro Lohvinov (München Südost), der freiwillig eine Altersklasse höher spielte, um sein großes Spielverständnis unter Beweis zu stellen. Wir landeten schnell in einer objektiv ausgeglichen Stellung, die aber aufgrund beiseitiger Zeitnot immer wieder hin und her schwankte. Am Ende war es Petro, der es schaffte, mittels eines Bauerndurchbruchs im Zentrum die Initiative zu übernehmen. Aufgrund der guten Koordination meiner Figuren konnte ich das Endspiel mit einem Minusbauern Remis halten.

Nach freiem Mittwochnachmittag wollte ich in Runde 5 gegen Benedikt Huber (ebenfalls München Südost) punkten. Benedikt überraschte mich früh und ich stand schnell hinten drin, was sich auch an meinem extremen Zeitnachteil widerspiegelte. Nach einem Bauernopfer, das sich nicht als der geplante Befreiungsversuch entpuppte, kämpfte ich um das Remis. Kurz vor der Zeitkontrolle hatte sich das Spiel gewendet und wir waren im Endspiel, indem Benedikt fehlgriff und ich den Vorteil in der Folge sicher verwertete.

In Runde 6 musste ich dann doch noch gegen Tobias Kolb (SV Seubelsdorf) spielen, auch wenn wir beide dieses Duell gerne vermieden hätten. Aus der Eröffnung holte ich nicht viel, auch wenn ich dachte, dass ich aufgrund aktiv wirkenden Figuren besser stehe. Der Computer legt das leider als komplette Fehleinschätzung dar. Tobias fand die richtigen Gegenmittel und schnell merkte ich selber, dass ich keinen Vorteil habe und wir einigten uns quasi per Zugwiederholung im 20. Zug auf Remis.

Vor Runde 7 lag ich mit 4,5/6 gemeinsam mit Petro vorne, hatte aber die bessere Buchholzwertung. Dahinter lagen 3 Spieler mit je 4 Punkten, die aber untereinander spielten. Mit einem schnellen taktischen Remis gegen Laurin Stegert (SC Ammersee) konnte mich also nur noch Petro mit einem Sieg überholen. Durch sein Remis wurde ich mit 5/7 dank der besseren Sonneborn-Berger Wertung Bayerischer Meister, Petro und Jakob folgten mit gleicher Punktzahl auf Platz 2 und 3.

(Verfasser: Lukas Köhler)